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Königin-Zusetzverfahren

Bienenvölker, die weisellos aus der Wanderung zurückkommen, Völker, die still umweiseln wollen, auch solche, die abgeschwärmt haben und deren Königin beim Begattungsausflug verloren ging, kurz, jetzt alle weisellosen Völker sollten Ende Juli umgeweiselt, d. h. mit neuer, junger, legetüchtiger Königin versehen werden! Diese Umweiselung muß deshalb so frühzeitig geschehen, damit die Winterbienen, die im August erbrütet werden, von der neuen Mutter erbrütet sind. Denn die Aufnahme einer fremden neuen Königin ist immer erst dann gesichert, wenn sie von eigenen Bienen ihrer Abstammung umgeben ist.

Vor dem Zusetzen einer Königin ist folgendes zu beachten:

Wohlgemuth Zusetzkäfig
  1. Man versichere sich, ob wirklich keine Königin im Volke ist, durch die isogenannte Kontrollwabe (das ist eine Wabe mit Eiern und offener Brut). Werden auf solcher Weiselzellen angesetzt, so ist das Volk bestimmt weisellos.
  2. Damit dem weisellosen Volke nicht eine fremde Königin zufliegen kann, wird das Flugloch mit Absperrgitter versehen.
  3. Das weisellose Volk wird vor dem Zusetzen auch durch eine reichliche Honig-Zuckerwassergabe zur Aufnahme der Königin willfährig gemacht, denn hungrige Völker sind nie aufnahmefreudig!
  4. Die Begleitbienen der Königin läßt man aus dem Zusatzkäfige vorher abfliegen, denn diese sind immer die ersten, die gegen fremde Bienen den Kampf eröffnen, um ihre geliebte Königin zu verteidigen.
  5. Man setzt nur gezeichnete Königinnen zu, sonst hat man keine Kontrolle, ob die zugesetzte Königin tatsächlich angenommen worden ist, oder ob sich die Bienen vielleicht doch noch eine eigene nachgeschafft haben.
  6. Das Zusetzen im Baurahmen gelingt nur dann, wenn darin bauende Bienen die neue Königin aufnehmen. In der Bautraube im Innern des Volkes mit dem Wohlgemuthschen-Zusetzkäfig ist die Aufnahme immer hundertprozentig sicher!

Erstmals nach 10—14 Tagen nach dem Zusetzen wird vorsichtig bei kühlem Wetter oder am frühen Morgen nachgesehen, ob der Zusetzkäfig leer ist, und dann die Zusetzwabe durch eine ausgebaute ersetzt. Doch ist dabei das Volk nicht nach Eiern zu untersuchen, denn die Königin war ja zuvor auf ihre Legetüchtigkeit erprobt. Die geringste Störung und Aufregung im Volke kann ein Anfallen der noch nicht mit dem Volke verwachsenen Mutter zur Folge haben.

Leichter und am sichersten ist das Zusetzen einer Königin immer im Brutableger und im Kunstschwarm. Wie hierbei verfahren wird, habe ich früher schon ausgeführt.

Das Zusetzen begatteter Königinnen kann ausschließlich in Völkern gelingen, die wirklich w e i s e l l o s sind. Es darf also auch keine alte oder junge, unbegattete Königin vorhanden sein. Sogar die alte tote Königin, am Bodenbrett liegend, genügt, um das Gelingen des Zusetzens zu vereiteln.

Sodann muß das Volk Verlangen haben nach Brut, deshalb ist es vorteilhaft, die Brutlust durch Triebfütterung zu steigern.

Es ist ausgeschlossen, Königinnen außerhalb der Brutperiode zusetzen zu können, deshalb ist es auch nicht ratsam, kurz vor Ende der Brutperiode noch Königinnen zusetzen zu wollen, denn wenn das Zusetzen auch gelingt, bleibt das Volk doch unruhig. Andererseits muß man die Abwehrstellung überwinden, welche die Völker gegen alles Fremde einnehmen. Naturgemäß sind die Abwehrbienen an der Peripherie des Volkes am tätigsten, während die Mitte des Volkes der geschützte Teil ist.

Endlich bleibt noch die Sorge für gute Aufnahme, das Verwachsen von Volk und Königin.

So viele Zusetzmethoden es auch geben mag, für alle sind obige Regeln in gleicher Weise maßgebend, und je besser sie diesen Rechnung tragen, desto zuverlässiger und besser ist die gute Aufnahme der Königin.

Die verschiedenen Zusetzmethoden unterscheidet man nach Moment- und Zeitverfahren.

Beim Momentverfahren gibt man die Königin beim Zusetzen frei ins Volk, indem die Abwehrstellung überwunden wird durch starken, den Nestgeruch überragenden anderen Geruch, wie dies durch Bestäuben mit Thymiantee und Betäuben mit Rauch gebräuchlich ist. Oder man bringt das Volk durch Abwerfen von den Waben, im Schwarmkasten durch Abschlagen, in solche Verwirrung und Verlegenheit, daß die Abwehrstellung im Moment des Zusetzens der Königin ganz ausgeschaltet ist. Man bestäubt mit Wasser Bienen und Königin leicht und wirft die Königin zu.

Beim Zeitverfahren wird die Königin in einem geeigneten Käfig vorerst vor den Angriffen der Abwehrbienen geschützt, bis sich ihr eigener Nestgeruch mit dem des Volkes verflacht hat. Hernach wird der Käfig geöffnet, oder er öffnet sich selbsttätig, wie dies bei den Ausfreßkäfigen der Fall ist. Man sollte, um die beste Aufnahme der Königin zu erzielen, dieselbe mitten in das Volk bringen können, ins Zentrum ihres Legebereiches, in den Bereich der Jungbienen ihres Hofstaates.

Ich will nur die kürzesten und sichersten Zusetzungsarten angeben:

Momentverfahren

  1. Die beste und sicherste Zusetzungsart einer neuen wertvollen Königin geschieht immer im sog. Kunstschwarm oder Sammelfegling.
  2. Man nehme 3—4 gut besetzte oder auch mehr Waben aus einem Volke und entferne die alte Königin. Lege die neue Königin im Wachsröhrchen oder im Zanderschen Zusetzkäfig auf den Boden des Kastens, in welchen die Königin aufgesetzt werden soll (bei Hinterladern zwischen Waben und Einlaufbrett (Wabentrichter), schlage (nicht abkehren) die Bienen der 3—4 Waben auf das Zusetzröhrchen, in dem sich die neue Mutter befindet, ziehe den Verschlußpropfen am Zusetzröhrchen und lasse die Königin mit den Bienen zusammen in den Stock einziehen. Nach Einzug der Bienen und Königin wird der Kasten geschlossen. Diese Momentzusetzung gelingt sicher.
  3. Rauchzusetzverfahren: Rauchbläser mit Tabak und etwas Propolis in Tätigkeit setzen. Bienenkasten hinten gut schließen. Durch das Flugloch gebe man etwa 20 Züge Rauch ins Volk und verstopfe das Flugloch mit Watte oder auch einem Taschentuch. Nun hole man die zuzusetzende Königin, schiebe die Watte bzw. das Taschentuch ein wenig auf die Seite und lasse die Königin ins Volk laufen. Ist sie drinnen, dann nehme ich den Königinkäfig weg, halte den Finger vor die kleine Öffnung und warte, bis die Königin auf eine Wabe hinaufgeklettert ist. Jetzt schicke ich nochmals etwas Rauch nach und verschließe dann das Flugloch eine Viertelstunde. Hernach läßt man den Rauch aus der Beute entweichen. Die Annahme ist sicher! Volk 10 Tage in Ruhe lassen.

Zeitverfahren

  1. Am sichersten, ja ganz sicher gelingt die Zusetzung einer Königin, wenn man dieselbe zu jungen, noch nie ausgeflogenen Bienen setzt, die ihre Altmutter noch kaum kennen, überhaupt noch nicht bösartig, stechlustig sind. Zu diesem Zwecke mache man um die Mittagszeit, wo die Flugbienen meistens im Felde sind, einen Ableger ohne Königin in den Honigraum des zu beweiselnden Volkes. Der Honigraum wird zuvor gegen den Brutraum gut abgedichtet, das Honigraumflugloch geöffnet. Nach Abflug der letzten Flugbienen wird die Königin im Ausfreßkäfig dem Ableger zugesetzt. Nach 8 Tagen entweiselt man das Volk im Brutraum, schließt das Honigraumflugloch und vereinigt durch das Absperrgitter.
  2. Die Bienen erkennen ihre Mutter hauptsächlich am Geruch. Jede Königin strömt einen eigentümlichen Geruch aus, der sich dem ganzen Volke mitteilt; man tut daher gut, wenn man die abgefangene Königin, in ein Zusetz-Käfik gesperrt, sogleich ihrem Stocke wieder beigibt. Die Bienen verhalten sich ruhig, weil sie ja ihre Königin, wenn auch eingesperrt, noch bei sich haben und in den wenigsten Fällen setzen sie königliche Zellen an. Nach zwei Tagen wird die alte Mutter aus dem Weiselkäfig genommen, dafür die neue hineingetan und sofort im Stocke an denselben Platz, wie vorher, eingestellt. Vom Zusetz-Käfik nimmt die neue Königin den Geruch der alten an; die Bienen meinen, es sei ihre eigene, früher im Zusetz-Käfik befindliche Königin, und nehmen sie ohne Feindschaft an. Am Tage darauf kann man sie freigeben. Solange die Bienen das Weiselhäuschen dicht belagern, dabei sehr unruhig sind, mit den Köpfen zwischen den Drähten durchzudringen oder hindurchzustechen suchen, einen zischenden Ton von sich geben, wenn man den dichtbelagerten Käfig an das Ohr hält, und nur mit Mühe vom Käfig abzubringen sind, hegen sie noch Feindschaft gegen die Königin. Sitzen sie dagegen mehr einzeln und ruhig auf den Drähten, spreizen sie dabei die Flügel etwas aus, so ist die Befreundung sicher erfolgt.
  3. Will man einem Stock mit alter Königin diese wegnehmen und dafür eine junge zusetzen, so tut man aber besser, wenn man ihm einstweilen auch alle ungedeckelte Brut nimmt und diese einem anderen Volk zur Versorgung gibt. So ist diesen Bienen die Möglichkeit genommen, aus eigener Brut sich wieder eine Königin nachzuschauen und sie nehmen daher eine fremde williger an. Später, nach erfolgter Annahme der Königin, kann man diesem Stocke seine von Bienen abgefegten Brutwaben, die jetzt wohl alle gedeckelt sind, wieder zurückgeben.
  4. Das Zusetzen einer wertvollen Königin gelingt immer im 9 Tage weisellosen Volke, wenn diesem alle Nachschaffungszellen restlos ausgebrochen werden und wenn in der weisellosen Zeit des Volkes keine Königin zufliegt. Also zur Vorsicht Absperrgitter vor dem Flugloch anbringen!

Zusetzmethode im Freiluftschwarm

Eine immer gut gelingende Königinzusetzmethode im sogenannten „Freiluftschwarm"

Ein Volk mit alter oder unbefriedigender Königin soll umgeweiselt werden:

Wir setzen das ganze Volk mit Wabenbau gegen Abend auf den Wabenbock oder eine neue Zarge und lassen es sich gut vollsaugen. Beim Herausnehmen der Waben suchen wir gleich nach der alten Königin und zerdrücken sie.

Das Flugloch der Beute wird geschlossen. Um die sich vor dem verschlossenen Flugloch sammelnden Bienen und die aus dem Wabenbock oder neuen Zarge etwa frühzeitig abfliegenden Bienen kümmern wir uns nicht. Sie betteln sich bei ändern Völkern ein.

Nun verbringen wir die neue Königin in einen Zusetzkäfig und verschließen diesen mit einem Holzzapfen. Diesen Käfig befestige ich nun an der oberen Tragleiste eines leeren Wabenrähmchens und lege das Rähmchen mit der Königin in eine Kiste. Nun fege ich Wabe für Wabe aus dem Wabenbock oder aus der neue Zarge auf den Boden der Kiste, wo die Königin liegt.

Habe ich alle Waben abgefegt, so stelle ich das Rähmchen mit der Königin in der Kiste aufrecht, bzw. ich lehne das Königinrähmchen an den Seitenwänden der Kiste an. In kurzer Zeit hat sich um die Königin im und um das Rähmchen eine Schwarmtraube gesammelt.

Die Kiste samt Bienen und Königin stelle ich im Freien auf und lasse sie die ganze Nacht draußen stehen.

Am andern Morgen stattet man die neue Beute mit einigen Mittelwänden und einigen Futterwaben aus und läßt den Schwärm in die Beute einlaufen. Den Holzzapfen des Schlupfkäfigs ersetze ich durch einen Zuckerteigpfropfen und gebe die Königin möglichst in die Mitte des Kastens.

Weiterbehandlung wie ein gewöhnlicher Schwarm.

Zusetzgeräte

Eine Königin kann man auch in einem aus Mittelwand geformten Wachsröhrchen , in dessen Mantel man einige Löchlein gestoßen hat und das man mit Zuckerhonigteig verschließt, ganz einfach zusetzen. — Weitere sehr brauchbare Zusetzgeräte sind:

  1. Der Wohlgemuthsche Zusetzer, für alle Kastenarten gleich praktisch anwendbar.Wohlgemuth Käfik
  2. Der Zandersche Zusetzkäfig.Zander Zusetzkäfik
  3. der Versand-Käfik.Versandkäfik

Zufüttern der Königin. Dabei kann man den Keßlerschen Vereinigungsrahmen benutzen. Dieses Gerät (Abb. 135) besteht aus einem gewöhnlichen Fensterrahmen; an der Stelle des Glases ist aber ein Drahtgewebe aufgenagelt, das die Bienen nicht durchläßt. Auf dem unteren Rahmenteil ist ein hölzernes Futtertröglein befestigt, das also durch eine Scheidewand in zwei Hälften geteilt ist. Die Wand geht aber nicht ganz bis auf den Boden des Futtertroges, sondern endet unten etwa 1 cm vom Boden, so daß ein Durchgang für die Bienen bleibt.

Das Drahtgewebe schließt an die Scheidewand an und ist daselbst angeheftet. Soll nun z. B. einem weisellosen Volke ein weiselrichtiges beigegeben werden, so entfernt man bei dem ersteren die Glastür und nötigenfalls mehrere Waben, um Platz für jene des zweiten Volkes zu gewinnen. Statt der Glastür wird nun der Vereinigungsrahmen eingesetzt, und zwar bienendicht.

Das zuzusetzende Volk ist in einem Wabentrog bereitgestellt.

Das Futtertröglein wird nun mit guter Futterflüssigkeit (Honig oder Zuckerlösung) gefüllt. Aufgelegte Schwimmer (Schindelstückchen, innen und außen) verhindern das Ertrinken der Bienen. Durch das Futter ist der Durchgang vorerst geschlossen.

Nun wird das weiselrichtige Volk rasch hinter die Drahtrahmen eingehängt und der Stock geschlossen.

Alsbald werden beide Völker über das Futter herfallen.

In einigen Stunden ist das Tröglein leer und der Durchgang offen. Im Hinterlader mit Warmbau vorzüglich verwendbar.

Die vorher feindlichen Brüder vereinigen sich friedlich.

  1. daß sich das Volk nach der Operation wieder rasch beruhigt und
  2. die Jung- und Brutbienen in der Mitte mit der zugesetzten Königin naturgetreu beisammen sind.

Bis der Futterteig ausgefressen ist und so die Königin frei wird, geht im Volk wieder alles seinen gewohnten Gang, dann schlüpft die Königin gleichsam aus der Wabe in eine Umgebung von Jungbienen, die sehnsüchtig nach ihr verlangen.

Eines ist sicher, der delikate Umgang mit Königinnen wird mit dieser Methode wesentlich erleichtert und die angeführten Vorteile hinsichtlich Zeitersparnis für Volk und Imker und besonders auch hinsichtlich sicheren Gelingens sind einzigartig.

Ich wünsche gutes Gelingen.

Wichtig ist, daß Honigzuckerteig verwendet wird, der auch in der Volkwärme nicht verläuft. Weder Zusetzer noch Futterteig dürfen von fremden Gerüchen behaftet sein.

Nach jedem Zusetzen einer Königin bzw. nach erfolgter Freilassung derselben unterlasse man es, alsbald wieder das Volk zu untersuchen und nach der Königin zu sehen, weil diese sonst leicht feindlich angefallen wird.

  

Ein Schritt zurück