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Bienenvölker, die weisellos aus der Wanderung zurückkommen, Völker, die still umweiseln wollen, auch solche, die abgeschwärmt haben und deren Königin beim Begattungsausflug verloren ging, kurz, jetzt alle weisellosen Völker sollten Ende Juli umgeweiselt, d. h. mit neuer, junger, legetüchtiger Königin versehen werden! Diese Umweiselung muß deshalb so frühzeitig geschehen, damit die Winterbienen, die im August erbrütet werden, von der neuen Mutter erbrütet sind. Denn die Aufnahme einer fremden neuen Königin ist immer erst dann gesichert, wenn sie von eigenen Bienen ihrer Abstammung umgeben ist.
Vor dem Zusetzen einer Königin ist folgendes zu beachten:
Erstmals nach 10—14 Tagen nach dem Zusetzen wird vorsichtig bei kühlem Wetter oder am frühen Morgen nachgesehen, ob der Zusetzkäfig leer ist, und dann die Zusetzwabe durch eine ausgebaute ersetzt. Doch ist dabei das Volk nicht nach Eiern zu untersuchen, denn die Königin war ja zuvor auf ihre Legetüchtigkeit erprobt. Die geringste Störung und Aufregung im Volke kann ein Anfallen der noch nicht mit dem Volke verwachsenen Mutter zur Folge haben.
Leichter und am sichersten ist das Zusetzen einer Königin immer im Brutableger und im Kunstschwarm. Wie hierbei verfahren wird, habe ich früher schon ausgeführt.
Das Zusetzen begatteter Königinnen kann ausschließlich in Völkern gelingen, die wirklich w e i s e l l o s sind. Es darf also auch keine alte oder junge, unbegattete Königin vorhanden sein. Sogar die alte tote Königin, am Bodenbrett liegend, genügt, um das Gelingen des Zusetzens zu vereiteln.
Sodann muß das Volk Verlangen haben nach Brut, deshalb ist es vorteilhaft, die Brutlust durch Triebfütterung zu steigern.
Es ist ausgeschlossen, Königinnen außerhalb der Brutperiode zusetzen zu können, deshalb ist es auch nicht ratsam, kurz vor Ende der Brutperiode noch Königinnen zusetzen zu wollen, denn wenn das Zusetzen auch gelingt, bleibt das Volk doch unruhig. Andererseits muß man die Abwehrstellung überwinden, welche die Völker gegen alles Fremde einnehmen. Naturgemäß sind die Abwehrbienen an der Peripherie des Volkes am tätigsten, während die Mitte des Volkes der geschützte Teil ist.
Endlich bleibt noch die Sorge für gute Aufnahme, das Verwachsen von Volk und Königin.
So viele Zusetzmethoden es auch geben mag, für alle sind obige Regeln in gleicher Weise maßgebend, und je besser sie diesen Rechnung tragen, desto zuverlässiger und besser ist die gute Aufnahme der Königin.
Die verschiedenen Zusetzmethoden unterscheidet man nach Moment- und Zeitverfahren.
Beim Momentverfahren gibt man die Königin beim Zusetzen frei ins Volk, indem die Abwehrstellung überwunden wird durch starken, den Nestgeruch überragenden anderen Geruch, wie dies durch Bestäuben mit Thymiantee und Betäuben mit Rauch gebräuchlich ist. Oder man bringt das Volk durch Abwerfen von den Waben, im Schwarmkasten durch Abschlagen, in solche Verwirrung und Verlegenheit, daß die Abwehrstellung im Moment des Zusetzens der Königin ganz ausgeschaltet ist. Man bestäubt mit Wasser Bienen und Königin leicht und wirft die Königin zu.
Beim Zeitverfahren wird die Königin in einem geeigneten Käfig vorerst vor den Angriffen der Abwehrbienen geschützt, bis sich ihr eigener Nestgeruch mit dem des Volkes verflacht hat. Hernach wird der Käfig geöffnet, oder er öffnet sich selbsttätig, wie dies bei den Ausfreßkäfigen der Fall ist. Man sollte, um die beste Aufnahme der Königin zu erzielen, dieselbe mitten in das Volk bringen können, ins Zentrum ihres Legebereiches, in den Bereich der Jungbienen ihres Hofstaates.
Ich will nur die kürzesten und sichersten Zusetzungsarten angeben:
Eine immer gut gelingende Königinzusetzmethode im sogenannten „Freiluftschwarm"
Ein Volk mit alter oder unbefriedigender Königin soll umgeweiselt werden:
Wir setzen das ganze Volk mit Wabenbau gegen Abend auf den Wabenbock oder eine neue Zarge und lassen es sich gut vollsaugen. Beim Herausnehmen der Waben suchen wir gleich nach der alten Königin und zerdrücken sie.
Das Flugloch der Beute wird geschlossen. Um die sich vor dem verschlossenen Flugloch sammelnden Bienen und die aus dem Wabenbock oder neuen Zarge etwa frühzeitig abfliegenden Bienen kümmern wir uns nicht. Sie betteln sich bei ändern Völkern ein.
Nun verbringen wir die neue Königin in einen Zusetzkäfig und verschließen diesen mit einem Holzzapfen. Diesen Käfig befestige ich nun an der oberen Tragleiste eines leeren Wabenrähmchens und lege das Rähmchen mit der Königin in eine Kiste. Nun fege ich Wabe für Wabe aus dem Wabenbock oder aus der neue Zarge auf den Boden der Kiste, wo die Königin liegt.
Habe ich alle Waben abgefegt, so stelle ich das Rähmchen mit der Königin in der Kiste aufrecht, bzw. ich lehne das Königinrähmchen an den Seitenwänden der Kiste an. In kurzer Zeit hat sich um die Königin im und um das Rähmchen eine Schwarmtraube gesammelt.
Die Kiste samt Bienen und Königin stelle ich im Freien auf und lasse sie die ganze Nacht draußen stehen.
Am andern Morgen stattet man die neue Beute mit einigen Mittelwänden und einigen Futterwaben aus und läßt den Schwärm in die Beute einlaufen. Den Holzzapfen des Schlupfkäfigs ersetze ich durch einen Zuckerteigpfropfen und gebe die Königin möglichst in die Mitte des Kastens.
Weiterbehandlung wie ein gewöhnlicher Schwarm.
Eine Königin kann man auch in einem aus Mittelwand geformten Wachsröhrchen , in dessen Mantel man einige Löchlein gestoßen hat und das man mit Zuckerhonigteig verschließt, ganz einfach zusetzen. — Weitere sehr brauchbare Zusetzgeräte sind:

Zufüttern der Königin. Dabei kann man den Keßlerschen Vereinigungsrahmen benutzen. Dieses Gerät (Abb. 135) besteht aus einem gewöhnlichen Fensterrahmen; an der Stelle des Glases ist aber ein Drahtgewebe aufgenagelt, das die Bienen nicht durchläßt. Auf dem unteren Rahmenteil ist ein hölzernes Futtertröglein befestigt, das also durch eine Scheidewand in zwei Hälften geteilt ist. Die Wand geht aber nicht ganz bis auf den Boden des Futtertroges, sondern endet unten etwa 1 cm vom Boden, so daß ein Durchgang für die Bienen bleibt.
Das Drahtgewebe schließt an die Scheidewand an und ist daselbst angeheftet. Soll nun z. B. einem weisellosen Volke ein weiselrichtiges beigegeben werden, so entfernt man bei dem ersteren die Glastür und nötigenfalls mehrere Waben, um Platz für jene des zweiten Volkes zu gewinnen. Statt der Glastür wird nun der Vereinigungsrahmen eingesetzt, und zwar bienendicht.
Das zuzusetzende Volk ist in einem Wabentrog bereitgestellt.
Das Futtertröglein wird nun mit guter Futterflüssigkeit (Honig oder Zuckerlösung) gefüllt. Aufgelegte Schwimmer (Schindelstückchen, innen und außen) verhindern das Ertrinken der Bienen. Durch das Futter ist der Durchgang vorerst geschlossen.
Nun wird das weiselrichtige Volk rasch hinter die Drahtrahmen eingehängt und der Stock geschlossen.
Alsbald werden beide Völker über das Futter herfallen.
In einigen Stunden ist das Tröglein leer und der Durchgang offen. Im Hinterlader mit Warmbau vorzüglich verwendbar.
Die vorher feindlichen Brüder vereinigen sich friedlich.
Bis der Futterteig ausgefressen ist und so die Königin frei wird, geht im Volk wieder alles seinen gewohnten Gang, dann schlüpft die Königin gleichsam aus der Wabe in eine Umgebung von Jungbienen, die sehnsüchtig nach ihr verlangen.
Eines ist sicher, der delikate Umgang mit Königinnen wird mit dieser Methode wesentlich erleichtert und die angeführten Vorteile hinsichtlich Zeitersparnis für Volk und Imker und besonders auch hinsichtlich sicheren Gelingens sind einzigartig.
Ich wünsche gutes Gelingen.
Wichtig ist, daß Honigzuckerteig verwendet wird, der auch in der Volkwärme nicht verläuft. Weder Zusetzer noch Futterteig dürfen von fremden Gerüchen behaftet sein.
Nach jedem Zusetzen einer Königin bzw. nach erfolgter Freilassung derselben unterlasse man es, alsbald wieder das Volk zu untersuchen und nach der Königin zu sehen, weil diese sonst leicht feindlich angefallen wird.